Sonntag, 4. Februar 2007

Der Blivorix entsteht

"Engines" nennt man im Computerschach jene Softwarekomponenten, in welchen die künstliche Intelligenz steckt. Diese Schachmotoren stellen gewissermaßen die Gehirne der Programme dar, welche die schachlichen Leistungen vollbringen. Forwährend ergießt sich eine Flut immer neuer Engineversionen über die Fangemeinde, die dann immer zuerst damit beschäftigt ist herauszufinden, wie leistungsfähig das neueste Testobjekt ist, insbesondere um wieviel es stärker spielt als die vorige Version. Dafür gibt es zahlreiche große Ranglisten, die auf tausenden und abertausenden Computerpartien beruhen. Die Verläßlichkeit der Einstufungen wächst mit der Anzahl der Partien und Gegner. Das braucht seine Zeit.

Permanent Brain's Hardware kann treffend als "schrottreif" beschrieben werden. An einer kompletten Palette der aktuellen Top-Engines mangelt es ebenfalls. Dennoch, der Tatendrang gebar eine Idee, wie ich trotz widriger Umstände möglicherweise einen Beitrag zu diesen Testbemühungen leisten könnte: Mit dem Blitz-Vorschau-Index, dem BLIVORIX. Der Grundgedanke: Ein schneller Testdurchlauf, der eine erste Vorschau auf die Blitz-Spielstärke einer Engine ergibt. Alle Testkandidaten werden unter klar definierten Bedingungen insgesamt 80 Partien gegen die selben 20 bestimmten Gegner austragen, die leistungsmäßig breit gestreut sind und durchwegs "etablierte" Ratings in den erwähnten Ranglisten (bzw. in einigen davon) aufweisen. Das Ergebnis soll jeweils nach zwei Tagen vorliegen.

Selbstverständlich ist das statistische Fehlerrisiko größer und die "technische" Qualität sozusagen geringer, als nach hunderten Partien bei mittlerer oder langer Bedenkzeit auf aktueller Top-Hardware. Doch der Blivorix soll ja nur ein erstes systematisches Resultat (oder eines der ersten) liefern und somit eine schnelle Prognose ermöglichen. Ich bin gespannt, wie die Trefferquote im Vergleich mit den späteren, hochwertigen Rankings ausfallen wird. Ein Probelauf mit einer bereits bekannten Engine hat schon stattgefunden, und das Ergebnis war sehr ermutigend bzw. recht stimmig.

Einzelheiten über die Testbedingungen und -engines folgen in Kürze.

Montag, 12. Juni 2006

Meisterliche Eröffnungen

Eröffnungsliteratur

Beginnen wir am Anfang: Die Eröffnung ist die erste Phase einer Schachpartie. Unter Meisterspielern ist sie von höchster Bedeutung. Ihr wird ein Großteil der Vorbereitung und Analyse gewidmet. Bei Schachprogrammen ist es ähnlich: Ausgefeilte, riesige und auf die jeweilige sogenannte "Engine" (dem spielenden Hauptmodul des Schachprogrammes) abgestimmte Eröffnungsdatenbanken sollen einen optimalen Partiestart gewährleisten. Wer jedoch nur die Engines alleine auf gleicher neutraler Theoriebasis vergleichen will, benötigt Alternativen.

Unter meinen Downloads befinden sich einige kostenlose Eröffnungsbibliotheken, meist im CTG-Format für die Fritz-Programme. Besonders das neue ECOplus3.ctg empfehle ich als kompaktes, mitteltiefes und gut geprüftes Testbuch, erstellt auf Basis hochrangiger Meisterpartien. Dabei flossen Erfahrungen aus mehreren bisherigen Eigenbau-Büchern zusammen.


zu Permanent Brain's Downloads

Nachtrag: Mittlerweile wurde diese Serie mit dem neutralen Testbuch Xmas2640-12.ctg fortgesetzt. Dieses beruht auf einer besonders methodisch zusammengestellten Partiengrundlage und ist 12 Züge bzw. 24 Halbzüge tief. Aus derselben Datenbank habe ich das Xmas2640.abk für die Arena-Schachoberfläche generiert. Es liefert eine maximale Variantenlänge von 28 Halbzügen (Arena wird meist, je nach Buchsettings, kürzere Zugfolgen ausspielen). Beide Fassungen sind unter obigem Link downloadbar.

Donnerstag, 1. Juni 2006

Im Banne der Nostalgie

Nirgendwo anders treten Computer so überzeugend als kreative und phantasiebegabte robotische Wesen auf, als bei starker ausgereifter Brettspielsoftware. Das Schachspiel gibt hierbei wie so oft ein Musterbeispiel ab. Mittlerweile reicht die Geschichte von Software-Umsetzungen die jedermann erwerben konnte, über zwei Jahrzehnte zurück.

Colosssus 4 für den AmstradEiner der berühmten Namen lautet hierbei: Colossus

Die kommerzielle Serie endete zwar schon 1990, aber wen dieser Virus einmal erfaßt hat, der wird ihn nicht mehr los: Und so kehrte Colossus-Autor Martin Bryant kürzlich in den Kreis aktueller starker Schachprogrammierer zurück und veröffentlicht nun neue, UCI-kompatible Versionen seines Programmes. Eine stärker als die andere! Ich glaube, er hat schon wieder den Anschluß gefunden, fünfzehn Jahre überbrückt und ist wieder in den Top-20 der Computerschachsoftware. Man kann sich die Engine kostenlos herunterladen, unter

Colossus 2006

Nachtrag / Mai 2007: Inzwischen gab es mehrere Updates. Die aktuelle Version Colossus 2007a erzielte im Blivorix-Testlauf eine Prozentleistung von 47,5% (38,0/80) und erhält somit einen Blitzvorschauindex von 48. Das Ergebnis entspricht einem voraussichtlichen Rating von ca. 2650 nach Blivorixniveau, oder vergleichsweise so stark wie Ruffian 1.0.5. und ca. 40 Elo über Version 2006f.

Mittwoch, 31. Mai 2006

Man versus Machine: Die Meilensteine

Computerschach

Legendär sind die Schachwettkämpfe zwischen künstlichen Intelligenzen und menschlichen Groß- und Weltmeistern: Kasparov vs. Deep Blue 1997, oder Kramnik vs. Fritz 2002. Als Napoleon in Schönbrunn gegen den ersten Schachautomaten antrat, war's noch ein Riesenschwindel und es versteckte sich ein Meisterspieler im Gerät. Spätestens 1988 wurde es aber ernst: Da verlor erstmals ein Großmeister unter Turnierbedingungen gegen ein richtiges Schachprogamm. Mehrere dieser Sternstunden des Computerschachs kann man auf meiner Homepage online nachspielen (Java erforderlich).

Dienstag, 30. Mai 2006

Stefan Zweig als Fallensteller

Der Senf den ich zur Schachnovelle abgegeben habe, gehört zu den Seiten meiner Homepage mit den meisten Hits. Dabei scheint der Link erst unten als einer der letzten auf der Titelseite auf. Möglicherweise ist die Erklärung einfach: Der Roman "Die Schachnovelle" von Stefan Zweig scheint sich einer ständigen Beliebtheit im Deutschunterricht zu erfreuen. Man kann das zum Teil als Verzweiflungsakt der Professoren betrachten, denn das Werk ist so kurz, daß selbst die faulsten Schüler keine Ausrede haben wenn sie es durchlesen sollen.

Mich würde interessieren, welche Noten diejenigen bekommen, welche meine Besprechung abschreiben. Sie ist sicher ungewöhnlich: Vom Nachplappern all dessen was andere schon sagten, habe ich noch nie viel gehalten. Zweig hat vermutlich zwei Fallen gestellt: Wer die Vorurteile des Ich-Erzählers gegenüber dem Weltmeister Czentovic in seiner Besprechung nachbetet, hat sich nicht zu einem eigenen Standpunkt eines "übergeordneten" Lesers durchgerungen. Und wer die vermeintlichen Unterschiede zwischen Dr. B. und Czentovic herausstreicht, hat übersehen, daß sie in Wirklichkeit als Charaktäre dargestellt sind, die vieles verbindet.

Beides habe ich in meiner kurzen Rezension der Schachnovelle näher beschrieben.

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