Sonntag, 18. November 2007

Kleine Freuden eines großen Patzers

Diagramm

Diese Stellung entstand in einer Blitzpartie. Mein Gegner hatte soeben mit 16...g5 meinen Läufer angegriffen. Es folgte ein kleines und dennoch (bei mir) eher seltenes Beispiel von Schachfreude die entsteht, wenn man einen Zug wie 17.Sc6! nahezu sofort entdeckt. Es droht 18.Sxa7+ Kd7 19.Dxb7 Matt. Auf 17...gxf4 fällt Schwarz einfach 18.Txe7 zum Opfer. Er spielte das naheliegendste: 17...bxc6, und es folgte 18.Db8+ Kd7 19.Dc7 Matt.

Trotz der Kürze fand ich diese Kombination recht zufriedenstellend. Es liegen aber "unendliche Weiten" zwischen solchen Kleinigkeiten und dem, was Computerschachprogramme schon längst in Sekundenbruchteilen finden. Da ist das noch gar nichts...

 2krq2r/pp2bp2/2N2n1p/2pP2p1/2Pp1B2/1Q6/PP3PPP/R3R1K1 b - - 0 17

Montag, 16. Juli 2007

Alaric 0702-Blivorix 44 (2630) / 707: 59 (2730)

Alaric

Alaric 0702 erzielte eine Prozentleistung von 44,4% (35,5/80) und erhält somit einen Blitzvorschauindex von 44. Dieses Ergebnis entspricht einem voraussichtlichen Rating von ca. 2630 nach Blivorixniveau, oder vergleichsweise zwischen Delfi 5.0 und Colossus 2006f.

Getestet wurde die UCI-Version (Nachtrag; von V707 WB.+UCI mit je 40 Partien). Die neue Engine absolvierte einen schönen Auftritt, mit einer Blivorix-Performance etwa auf dem Niveau des italienischen Computerschachmeisters Delfi 5.0. Diesen besiegte Alaric in der direkten Begegnung mit 3,5:0,5. Gegen die Top-Drei im Gegnerfeld (Rybka, Toga und Spike) war es jeweils umgekehrt, aber Alaric ließ immerhin kein einziges 0:4 zu.

Hier ein schneller Triumph über Crafty 20.14. Der prominente Gegner agiert hier etwas zaghaft und vergräbt zwei seiner Leichtfiguren auf a7/a8. Alaric kann einen Läufer auf f7 einpflanzen und einen Kurzsieg landen:

[Event "Blivorix-02_Alrc0702"]
[Site "Schrotty"]
[Date "2007.02.16"]
[Round "3.3"]
[White "Alaric 0702"]
[Black "Crafty 20.14"]
[Result "1-0"]
[ECO "C92"]
[EventType "blitz"]

1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-O Be7 6. Re1 b5 7. Bb3 d6 8. c3
O-O 9. h3 Bb7 10. d4 Re8 11. Nbd2 Bf8 12. a4 Na5 13. Bc2 exd4 14. cxd4 Qd7 15.
b3 Nc6 16. Ba3 bxa4 17. bxa4 Rab8 18. Rb1 Be7 19. Bd3 Na7 20. e5 Nd5 21. Qc2 h5
22. Bf5 Qc6 23. Nc4 Ba8 24. e6 f6 25. Bg6 Rxb1 26. Bf7+ Kh8 27. Rxb1 Rd8 28.
Bc1 Nb6 29. Qg6 Qe4 30. Nh4 Qxg6 31. Nxg6+ 1-0

Schlußstellung:


diagram courtesy of http://chessup.net/

b2r3k/n1p1bBp1/pn1pPpN1/7p/P1NP4/7P/5PP1/1RB3K1 b - - 0 31

Infos über den Blivorix:
Grundidee
Testbeschreibung


Nachtrag (4.April 2007):

Mittlerweile sind bereits die Updates 703 und 704 erschienen. Alaric 703 erzielte im Blivorix-Testlauf 50,0% (40,0/80) und erhält somit einen Blitzvorschauindex von 50. Das Ergebnis entspricht einem voraussichtlichen Rating von ca. 2670 nach Blivorixniveau, oder vergleichsweise so stark wie SlowChess Blitz WV2.1.

Nachtrag II (16.Juli 2007):

Erneut ist eine deutlich verstärkte Version erschienen: Alaric 707 erzielte im Blivorix-Testlauf 58,8% (47,0/80) und erhält somit einen Blitzvorschauindex von 59. Das Ergebnis entspricht einem voraussichtlichen Rating von ca. 2730 nach Blivorixniveau, oder vergleichsweise so stark wie Fritz 8.

Diese neue Version hat im Test Ruffian 1.0.5 und Tiger 14 jeweils mit 4:0 besiegt. Gegen diese beiden und Amyan, Yace, Nimzo und Wildcat zusammen holte Alaric 707 22,0/24!

Montag, 9. Juli 2007

Grips gegen Chips (II) in Maryland

RybkaGM Jaan Ehlvest [2629] wird Anfang Juli wieder ein Match gegen die zur Zeit stärkste Computerschachengine Rybka austragen. Erneut sind interessante, eher experimentelle Spielbedingungen vorgesehen: Diesmal keine Bauernvorgaben, aber mit doppelt soviel Bedenkzeit (90m+30s) für den menschlichen Meister, und mit gewissen technischen Limits für das Schachprogramm. Insbesondere wird Rybka mit einem nur drei Züge kurzen Eröffnungsbuch und in den sechs Partien immer mit Schwarz antreten.

Die Initiative zu diesem Match kommt vom Organisator IM Larry Kaufman, der seit Jahrzehnten Computerschachprojekte begleitet. Ergebnisse seiner detaillierten Untersuchungen über die Materialwerte von Schachfiguren flossen in die Weiterentwicklung Rybkas ein. Seine Grundidee für das kommende Match beruht darauf, daß nach seiner Auffassung Man versus Machine-Schachwettkämpfe mittlerweile "echte" Handicaps (Figurenvorgaben) erfordern, und einige nicht so drastische Beschränkungen der Computerseite gar nicht mehr ausreichend sind, um einen sinnvollen Zweikampf zu ermöglichen.

Das bleibt abzuwarten. Ehlvest ist zwar nicht mehr in der absoluten Spitze, aber in den Top-100 der Welt. Und wie jeder Großmeister verfügt er bespielsweise - wie L.Kaufman treffend ausführt - über umfassendes Eröffnungswissen aus 500 Jahren Schachgeschichte, während Rybka jeweils nach drei Eröffnungszügen das Rad in Echtzeit neu erfinden muß. Im vorigen Wettkampf im März gab Rykba zwar stets einen Bauern vor, aber Ehlvest (immer mit Schwarz) war anfangs noch gar nicht gut auf das elektronische Schachmonster eingestellt: 0,5-4,5 nach fünf Partien. Aber dann bewies er große Kampfmoral, setzte das schon verlorene Match mit Energie fort und holte einen Sieg und zwei Remis in den letzten drei Partien.

Vorläufiger Termin ist 5. bis 9. Juli 2007, Spielort Potomac (USA). Es wird spannend!

Webseiten zum Thema:
Matchangebot/Bedingungen
aktuelle Ankündigung
Jaan Ehlvest (Wikipedia)
Rybka
Matchblog (zum vorigen Match)
FIDE Top 100
CCRL (Enginerangliste)
CEGT (Enginerangliste)
The Evaluation of Material Imbalances von Larry Kaufman


Nachtrag: Das Match ist vorüber. Ehlvest gelangen drei Remis und Rybka erzielte drei Siege - Endstand 1,5-4,5.
EhlRyb-2 (pgn, 4 KB) PGN der 6 Partien

Freitag, 8. Juni 2007

The Ultimate Freeware Challenge (Ergebnis)

AlaricColossus_UCIDelfiNaum

Der Sieger heißt Naum 2.0! Die Reihenfolge in der Turniertabelle entspricht gewissermaßen der Papierform, also dem was anhand der Ratings welche die Teilnehmer in Engineranglisten haben, zu erwarten war. Bei der geringen Partienzahl war dieser Ausgang nicht selbstverständlich:
TUFC-Tabelle

Die Elozahlen sind Mittelwerte aus den Wertungen von CCRL und CEGT (bei Colossus von Version 2007a). Fritz hat die Performancedifferenzen ausgerechnet. Naum 2.0 scorte besser als im allgemeinen und besiegte alle drei Gegner mit je 1,5/2. Alaric und Delfi zeigten sich gleich stark: Sogar die Feinwertung ist identisch.

Schreckliches Turnierpech hatte offensichtlich Colossus: Unterperformance um 333 Elo. Daß der einzige Teilerfolg in einem Remis gegen den Turniersieger besteht, wird da kaum ein Trost sein. Ich habe danach die Turnierkonfiguration und die Recheninfos kontrolliert: kein technischer Fehler erkennbar. Das kann eben über nur 6 Partien manchmal vorkommen, aber ist statistisch bedeutungslos.

Die Partien zum Downloaden:
TUFC-Partien-CBV (cbv, 26 KB) Format für Fritz/ChessBase mit Partieprofildaten
TUFC-Partien-PGN (pgn, 37 KB) mit Recheninfos im alten Textformat

Donnerstag, 7. Juni 2007

The Ultimate Freeware Challenge (Vorschau)

Im Spitzensport stehen die Topstars im Vordergrund. Ihnen gilt immer die größte Aufmerksamkeit der Medien und des Publikums. Im Computerschach ist das genauso. Unterhalb eines gewissen Rankings, grob gesagt vielleicht von Rang 11 abwärts, werden Engines zwar auch noch wahrgenommen - typische Ranglisten umfassen mindestens 20, oft sogar 60 und mehr verschiedene Engines - aber sie stehen doch eher im Schatten der Top Ten. Die stärksten werden mehr besprochen, mehr für Tests und Analysen herangezogen, mehr Partien von ihnen werden kommentiert...

Deshalb möchte ich zur Abwechslung vier gute Engines aus dem oberen Mittelfeld anhand eines kleinen Turnieres darstellen. Diese Ultimate Freeware Challenge wird rein nach meinem persönlichen Geschmack mit Teilnehmern besetzt, die ich aus irgendwelchen Gründen mag und/oder die mir in letzter Zeit positiv auffallen:

Alaric 704 von Peter Fendrich (Schweden) ist eine neue Engine, die heuer mit Version 702 einen starken Erstauftritt hinlegte. Der Programmierer hat aber schon 10 Jahre Erfahrung im Computerschach mit seiner vorigen Engine "Terra" gesammelt. Derzeit befaßt er sich mit dem Endspiel (Bitbases). Alaric macht auf mich den Eindruck einer Qualitätsengine mit Aufwärtstrend.

Colossus 2007b ist eine auferstandene Legende im Computerschach, vom selben Programmierer Martin Bryant (Großbritannien) der in den Achtzigern die gleichnamigen Schachprogramme für diverse Homecomputer schrieb. Colossus Chess UCI hat seit dem Neustart (2005) kontinuierlich Fortschritte gemacht.

Delfi 5.1 von Fabio Cavicchio (Italien) ist seit 2003 Italienischer Computerschachmeister in Serie. Neuerdings unterstützt die Engine auch das UCI-Protokoll. Neben der kostenlosen Version gibt es eine Trainerversion zum Kaufen, die menschliche Übungsgegner simuliert. Delfi arbeitet bereits seit längerem mit einer eigenen kleinen Endspieldatenbank.

Naum 2.0 ist die letzte Freeware-Ausgabe einer relativ neuen Engine. Aber sie war schon so gut, daß ihr Schöpfer Aleksandar Naumov (Kanada) sie ab der weiter verbesserten Version 2.1 zu vermarkten begann. In einem 64 Bit/4 CPU-Ranking belegt diese derzeit den 4. Platz! Aber auch Naum 2.0 ist sehr stark und der Favorit für dieses Viererturnier.

Obwohl diese vier innerhalb der Computerkonkurrenz 200 bis 300 Elo unterhalb der Topengines rangieren, sind sie immer noch stark genug um jeden Großmeister ins Schwitzen zu bringen. Und wer gar keinen Titel hat, der hat bei diesen Engines auch gar keinen Auftrag. - Die Spielbedingungen sind: Doppelrundig, also insgesamt zwölf Partien, und technisch gesehen im Prinzip mit den Blivorix-Einstellungen,

AthlonXP@1200 MHz, Windows 98SE
96 MB für Zugumstellungstabellen je Engine
einheitliche neutrale Eröffnungsbücher:
Xmas2640.abk, Xmas2640-12.ctg
Drei- und Viersteiner-Endspieltables auf USB-Stick
Turm gegen Turm-Fünfsteiner auf Festplatte
48 MB für Tablebase-Cache, soweit konfigurierbar
(Colossus und Naum benutzen die Nalimov-Tbs.),


aber mit dem Unterschied einer Bedenkzeit von 25m+5s, das ergibt rund eine Stunde insgesamt pro Partie.

Ergebnis folgt.

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besten Dank an: shredderchess.de

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